Ich habe eine Schatztruhe geschenkt bekommen. Diese Schatztruhe hat eine annehmbare Größe, da paßt ordentlich viel rein. Ich reserviere sie für dich und mich, ich werde jede Erinnerung sorgfältig darin platzieren. Wie in einem kleinen Puppenhaus. Ich werde manchmal aufmachen und vorsichtig den Deckel heben und einen kleinen Spalt lang reinlucken. Die Erinnerungen werden aufblitzen wie Gold, und ich werde das Gefühl haben, als wäre ich besonders reich. Es sind alle Erinnerungen versammelt, die guten, die mittleren, die mittelschweren, die ganz besonders schlechten. Die Schatztruhe wird diese Erinnerungen hüten und ich bin der Wächter. Den kleinen Schlüssel zum Schloss trage ich um den Hals, nahe an meinem Herzen, damit er nicht verloren geht und auch nicht alle unsere Erinnerungen. Ich weiß, du besitzt eine ähnliche Schatztruhe, auch wenn deine ganz anders ausieht. Außen ist sie nicht bemalt wie meine, deine hat kein Schloß und innen sind deine Erinnerungen an mich. Vielleicht treffen wir uns im Alter und breiten alle Erinnerungen vor uns aus und fügen deine und meine zusammen wie ein Puzzle: unsere ersten Begegnungen. Unser erster Kuss. Unser erster Spaziergang. Unsere 10. Reise. Dieses Cafe, dieser Strand, dieser Weg, dieser Morgen im Bett, diese Nacht, dieses Konzert, dieses Gespräch, dieser schreckliche Tag, dieser Streit, diese Begegnung, dieser Abstand, dieses Gefühl, diese harte Arbeit. Viele Leute sagen, wir irdischen Menschen bestehen einzig aus Erinnerungen. Gäbe es die Erinnerungen nicht, gäbe es uns nicht. Sollten du und ich einmal getrennte Wege gehen, bleibt mir meine Schatztruhe. Du gehst also niemals ganz verloren und jeder Moment mit dir ist kostbar. F

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