Die Katze schläft teilweise fast 24 Stunden durch, ob das gesund ist. Und ich versuche mitzuhalten, ich schaffe aber gerade mal 10 pro Tag / Nacht. Das ist schon viel für meine Verhältnisse. Weil ich die Welt von heute nochmals sehen möchte, gehe ich hinaus. Die Katze merkt das nicht. Ich gehe den Weg entlang, unter den Bäumen durch, die Sonne kitzelt mich und unter meinen Füßen spüre ich den Schnee. Ich bin den Weg schon oft gegangen und jedesmal frage ich mich, warum ich eigentlich nicht mal einen anderen gehe. Aber immer ist es dann schon zu spät. Ich streife am Bachufer entlang und finde es schön, daß alles zugefroren ist. Ich denke darüber nach, daß mir dieser Zwischenfall eine große Atempause beschert – wie gut mir das tut und wie einsam ich gleichzeitig bin. In meinen Gedanken verloren, spinne ich die Pläne für die nächsten Tage, für das nächste Monat, in meinem Bauch rumort es, weil mein Bauch gar nichts mehr aushält, was Pläne betrifft. In meinem Hirn taucht das Bild eines zweigeteilten, schwachen Körpers auf: einmal ist es der Bauch der Alarm schlägt, einmal der Kopf, einmal der Hals, einmal die Blase, einmal ist es der Kopf der arbeitet wie bisher, einmal der Hals, der singt wie ein Vögelchen, einmal der Bauch der Hunger hat und die Blase, die muss, während ein anderes Glied schmerzt. Im Kopf wird mir schwindelig und ich habe erneut das Gefühl, in einer Zwischenwelt zu sein, plötzlich, ohne Ankündigung. So als könnte ich irgendetwas dazwischen wahrnehmen. Ich schließe die Augen und triffte ab, obwohl es Minusgrade hat und ich Mitten am Weg stehe. Vor mir taucht ein Wunderorakel auf. Ich wußte bislang nicht, daß es sowas gibt. Ein Wunderorakel wird nur sichtbar, wenn der Sehende in den Kreis der Wunderriecher aufgenommen wird. Das wird er, ohne es zu wissen. Das sagt mir alles das Wunderorakel ohne Pause und Vorwarnung oder Vorgeschichte. Ich starre in die Dunkelheit meiner geschlossenen Augen und frage das Wunderorakel, was das denn nun zu bedeuten habe. Das Wunderorakel erklärt: „Die, die Wunder riechen können, haben lange auf Wunder gewartet und wissen nun schon vorher, wenn eines eintritt. Sie können auch ihre eigenen Wunder riechen. Das gute an Wunderriecher ist, sie flippen nicht mehr aus deswegen, sie sind abgebrüht und erkennen das Wunder als Teil dieser Welt an. Wunderriecher dürfen auch weiter auf ihre eigenen persönlichen Wunder hoffen, solange sie sich in der Wunderwelt bewegen und diese mit verwunderten Augen bestaunen. Hören sie auf daran zu glauben, wird aus dem Wunder eine Wunde und die Wunde frießt sich langsam bis zum Herz. So schauts aus! Viel Spaß und viele Wunder für’s nächste Jahr !“ Das Wunderorakel verpufft mit lauten Getöse und ich mach die Augen auf. Die Welt sieht aus wie vorher. Aber in meiner Nase macht sich ein fruchtiger, ungewöhnlicher Geruch breit. Ich gehe dem Geruch nach, er führt den ganzen langen Weg bis nach Hause zu meiner Katze zurück. Ich setzte mich neben sie, auf den zweiten Stuhl und starre in die Nacht, die hereinbricht. Der Geruch verschwindet langsam, ich sage mir, das war wohl ein Geruchstest. Dann schlafe ich ein. Die Katze macht keinen Mucks. F

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