Liebe Zahl, du bist mein Feind. Ich bin unfähig mit dir umzugehen. Du verwirrst mich, machst mich schlecht drauf, nistest dich als unfertiges Ergebnis in mich ein. Dein Verbündeter ist die Bürokratie, mein Verbündeter ist die Kunst, und beides verträgt sich kaum. Nur wegen dir lebe ich dieses glücklose Dasein, rastlos, ohne Zeitkapazität, gefangen im Rad der Zahl & Zeit, gestresst, gejagt, mit dem Kopf stehts bei dir. In der Nacht kann ich nicht mehr schlafen, weil du deinen Fluch nicht von mir nehmen willst. Stetig erhöhst du den Druck auf mich, dich zu vermehren. Täglich muss ich von dir etwas abziehen, dazuzählen oder einen Prozentsatz ermitteln. Du erwartest von mir immer wieder eine Berichtigung. Fast stündlich flattert ein Bruder oder eine Schwester von dir in mein Haus. Ununterbrochen muss ich an ihnen korrigieren und kriege sie nicht aus meinem Kopf. Du begleitest mich, wohin ich auch gehe. Du stielst mir die Zeit, du bist meine Zeit. Minutengenau muss ich meinen Tag einteilen, mit größtem Apettit frießt du mir diese Konstruktur vor meiner Nase weg. Ich würde dich so gerne aus meinem Leben eliminieren, aber du weigerst dich, mich zu verlassen. Siehst du nicht, wie glücklich ich ohne dich wäre. Ich möchte doch einfach nur die Kunst ausleben, was interessiert mich die Zahl! Oder können wir nicht Freundschaft schließen. Kannst du mich nicht ein wenig weniger fordern und mir mein Leben zurückgeben. Ich tue doch alles für dich. Können wir nicht einen Kompromiss finden. Du bleibst, aber wirst Nebensache. Ich akzeptiere dich und werde mich fortan mit Sorgfalt um dich kümmern. Du verschwindest aus meinem Leben als Sorge und kehrst zurück als Bestandteil meines Schaffens. Ich könnte damit leben. Springe über deinen Schatten und sei nett zu mir. Fury

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