Ich bin in einen Dornröschenrosenstock gefallen. Ich habe mir im Fallen die Haut aufgekrazt und überall kommen kleine Blutbäche aus mir. Meine völlig symetrischen Augen habe ich mir nicht zerkrazt. Aber die Tränen, die die Blutbäche hervorkitzeln, trüben mir den Blick nach oben oder unten, ich könnte nicht sagen, wohin mein Gesicht blickt. Die Blätter des Dornröschenrosenstocks kleben sich in den Blutbächen fest und versuchen die Wunden zu heilen. Aber Wunden eines Dornröschenrosenstocks heilen sehr langsam. Das wissen die Blätter nicht und sie arbeiten fieberhaft, den Schaden der Dornen auszugleichen. Ich versuche mir eine mittlerweile eingewachsene Dorne aus der Herzgegend zu reißen, aber diese Dorne steckt verdammt tief. Vielleicht bin ich doch mit dem Gesicht nacht unten gefallen, mit dem Herzen direkt auf diese Dorne. Ich weiß, ich habe nicht viel Zeit. Das Gift der Dornen wird mich in einen Teifschlaf versenken, damit die Wunden in Ruhe heilen können. Der Dornröschenrosenstock denkt, das wäre das Beste für mich. Ich versuche alles, um munter zu bleiben. Ich will zwar diesen Schmerz wegschlafen, aber ich weiß, es würde niemals aufhören weh zu tun, würde ich nicht nun diese eine Dorne aus meinem Herzen ziehen, bevor ich in den 100 Jahre dauernden Schlaf falle und im Schlaf all den Schmerz von Traum zu Traum wälze und am Ende in meiner ganzen Zellenwelt klein säuberlich verteilt habe. Ich zwänge meine blutende Hand unter meinen Oberkörper durch und reiße mir die Haut vom Leib, genau da, wo die Dorne sitzt. In der blutenden Lacke suche ich wühlend nach der Dorne. Ich werde immer müder und müder, meine Finger sind schon ganz klamm. In den letzten Sekunden finde ich die Dorne und kann sie mit meinen Fingern greifen und ziehe so fest daran, wie es mir möglich ist. Die Dorne beginnt sich zu lösen, doch ich schlafe in diesem Moment ein und trage den Gedanken der Ungewissheit in meine Traumwelt. Mein erster Traum beginnt damit, die Dorne noch tiefer in mich hineinzubohren. F

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