Das Problem am Stolz ist, daß er nicht einfach wegzumachen ist, nicht einmal in den schlimmsten Situationen. Er ist immer da, auch wenn wir ihn lieber zum Teufel schicken würden, für einen Moment. Denn manchmal ist Stolz wichtig, um uns zu schützen, er schützt uns davor, uns selbst aufzugeben, er treibt uns an, er zeichnet uns aus, er macht uns stark und kräftig. Aber wenn wir dann ganz klein und einsam am Boden liegen, und dringend Hilfe bräuchten, und wir sind dann zu stolz, um die Hand anzunehmen, und wehren uns und machen uns noch einsamer und ziehen uns noch weiter zurück, irgendwohin, wo wir sicher draufgehen, nur weil der Stolz uns die Zukunft vergoldet. Wie wichtig ist es dann, wenn es Freunde gibt, die selbst den gegnerischen Stolz besiegen, uns rausholen aus dem Elend und uns wieder kleine Lichtblicke geben. Und daß diese Freunde nicht locker lassen und genau wissen, wann sie eben nicht weggehen dürfen. Ein kleines Dankeschön:

Der Stolz und der Freund saßen sich gegenüber. Der Stolz drehte sich weg. Der Freund tappte ihn an die Schulter. Der Stolz zuckte zusammen. Der Freund sagte: „Entspannung!“ Der Stolz bäumte sich etwas auf und wollte kontern, aber der Freund war schneller. „Sag schon was los ist, mach dir nicht soviele Sorgen.“ Der Stolz brachte kein Wort raus, so schrecklich stand es um ihn. Der Freund klopfte auf seinen Schultern, bis der Stolz sich umdrehte. „Was ist denn los?“ Der Stolz war unfähig zu sprechen, er brabelte nur leise einzelne Buchstaben und wirkte ziemlich zerstört. „Komm“, sagte der Freund, „Gehen wir nach Hause, ich nehm Tee mit und Aspirin und Gurgellösung, ich denke, du brauchst Ruhe.“ Und weil der Stolz nicht einmal mehr gehen konnte, trug der Freund ihm heim. Später in der Nacht wachte der Stolz auf und sagte: „Du hast mir den Stolz gerettet, danke.“

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