Ich beginne mal mit dem Verschieben. Ich verschiebe mein Lebensende um ungefähr 70 Jahre nach hinten. Zu diesem Zeitpunkt wäre aber bereits jemand anders an meine Stelle gerückt. Und überhaupt, alles was ich bis dahin noch nicht gemacht hätte, kann ich plötzlich tun. Und dazu mache ich alles in Half Time, weil ja die Zeit dafür künstlich verschoben wurde. Was das für Verschiebungen mit sich bringt ist gar nicht auszudenken. Jeder andere in meinem Leben muss mindestens soviel verschieben, sonst würden wir uns ja alle nicht mehr sehen. „Eben“ sagt Vincent „verschieben kann tödlich sein. Du verschiebst und jemand anders fällt ein Klavier auf den Kopf deswegen. Würdest du mich nur einmal verschieben, hätte ich Todesangst und außerdem wäre ich beleidigt.“ Ich und Vincent sitzen rum. Wir sind gerade ziemlich tatenlos und ärgern uns über die verregnete Welt. Normalerweise würden wir nun Pläne schmieden, aber alle unsere Pläne sind verpufft. Die meisten haben wir auch schon ausprobiert. „Was würdest du verschieben, Vincent ?“ frage ich ihn. „Ich würde den Zeitpunkt verschieben, an dem meine Ideen ausgehen, oder an dem mir die Ideen über den Kopf wachsen, oder an dem ich nicht mehr ein noch aus weiß oder an dem ich zu krank werde, um weiterzudenken.“ Vincent ist eingeschlafen und mir fällt zu diesem Tag auch nicht mehr ein, ich warte bis ans Ende des Monats, wenn bis dahin nicht irgendwas passiert ist, werde ich beginnen, mein Leben zu verschieben. F

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