Ich hasse sie. Ich könnte sie in Stücke zerreißen, mit meinen bloßen Händen und dann langsam zusehen, wie sie Minute für Minute schwächer wird. Ich würde ihr das Gehäuse ordentlich umdrehen und dann ein Süppchen damit kochen. Sie weiß nicht, wieviel Kraft und Zeit es mich gekostet hat, an diesen Punkt anzukommen, an dem ich mit ziemlicher Gewissheit sagen kann, zumindest einmal am Tag bist du mir egal, egal, egal! Dann hab ich dich aus meinem Kopf! Jahr für Jahr immer das gleiche, Tag ein, Tag aus, immer und immer wieder. Nie nie nie, konnte ich dich in den Griff bekommen, aber jetzt langsam, mit dem Alter, beginnt mein Plan aufzugehen, dir einen Strich durch die Rechnung zu machen, dich einfach zu vergessen. Denn wie schön und weit und groß und gemäßigt wird mein Leben dann. Mit dem Alter kommen übrigens auch andere Kleinigkeiten und es sind nicht alle so hässlich wie du. Und du warst von Anfang an da! Diese Dinge aber habe ich mir hart erarbeitet: Lachfalten, Fettpolster, einen kleinen Bauchansatz, das Haar, das schütterer wird und stumpfer, verbauchte Haut, weil all die Jahre Wind und Regen! Verbote, wie, nicht zu spät essen, Auflagen, wie, geh raus! Die Unfähigkeit 10 Stunden am Stück zu sitzen, das ging bisher! Müdigkeit, ein Muss von 7 Stunden Schlaf! Unbrauchbarkeit nach durchfeierten Nächten und unsagbare Schmerzen im Kopf. Die Angst vor der Zukunft. Das plötzliche Schmieden an neuen Zukunftsplänen. Gedanken an danach. Wie langweilig, erwachsen werden! Das alles nehme ich in Kauf und hin und bitte dich ein letztes Mal um Gnade und Unendlichkeit. Dann könnten wir vielleicht Freunde werden. F

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