Ich bestelle mir eine Dose Mitleid als Aperitif. Das kommt immer gut, ausgetrunken gehts dann gleich viel besser. Auf der Dose steht: der perfekte Aperitif! Der Kellner kommt und fragt: „Was nun?“ Ich bitte um die Karte. Die Karte ist voll mit Speisetipps: gebackener Schmerz mit Restkraut. Pürierter Lachkrampf, dazu Brot. Tomatensugo auf Hasslasagneblätter und getrockneter Eifersucht. Löffeljoguhrt mit Verzeihungskristallzucker. Neidschmarrn. Trauer in verpufftem Gelee. So geht es weiter, ich kann mich gar nicht entscheiden. Der Keller steht schon wieder da. Ich schaue etwas ratlos und lese weiter. Kuchen mit Entscheidungsbeeren. Mus de Verlustangst. Verzweiflungscurry. Trostschokolade in Tränensahne. Vergeigtes Leben auf Biskuit. Gratinierte Ideenschwachheit in feiner Sauce. Gemischter Salat, dazu gute Laune in kleinen Häppchen. Spieße der Verwahrlosung. Bürgerliche Lebensweisheiten, im Ofen gar gebacken. Streitigkeiten mit feinen Kräutern der Provinz. Der Kellner wird immer ungeduldiger und mir immer schwindeliger. Ich schaue ihn sehr verdutzt an und rutsche dann vom Stuhl Richtung Ausgang. Die Dose Mitleid rumort in meinem Magen.

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