Sie schied dahin oder ab. Ich weiß das nicht so genau. Jetzt bin ich müde. Müde wie die alte Frau. In mir gibt es mehrere Frauen und eine davon ist steinalt und eben gerade von mir gegangen.

Die alte Frau in mir gab regelmässig Widerstand auf. Zuerst kämpfte sie verbissen und tapfer und völlig an der Front, sie quälte sich und mich, nächtelang, und dann von einem Tag auf den anderen: weiße Fahne. Dann legte sie sich hin und wurde ganz still. Und sagte nichts mehr! Keinen Ton, ganz egal was ich fragte. Sie kämpfte bis zum umfallen, bis ich endlich etwas Ruhe fand.

Die alte Frau in mir war eine kluge Frau. Und trotzdem konnte sie sich so furchtbar aufregen, wenn es um mich ging. Wenn sie meine Feinde erblickte, am Horizont, die sie doch gerade erst geschlagen hatte. Stolz auf ihren schwarzen Pferden. Dann bäumte sie sich auf, runzelig und verbogen und schimpfte auf Gott und die Welt, stellte sich vor mich und teilte ihre Schläge aus.

Die alte Frau in mir musste dann gepflegt werden. Das konnte ich gut. Ich wusch ihre Wunden aus und küsste sie solange, bis sie verheilt waren. Die alte Frau in mir war dankbar dafür. Und wurde nach jedem Kampf stärker und schwächer. Sie sagte: „Die Stärke ist für dich, die Schwäche für mich. Ich bin alt und brauche keine Stärke mehr.“

Die alte Frau in mir konnte das alles nicht lassen. Und heute Nacht hat sie noch etwas gesagt, zum Abschied: „Mädchen, es ist viel klüger mich nicht zu haben. Ich lege mich deswegen schlafen.“

Die alte Frau in mir hat ein Ehrengrab bekommen. Daruf steht: Stolz ist die Waffe der Feinde.

F

 

 

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