Ich bin in den Norden gefahren, um den Norden zu sehen. Aber der Norden ist groß. Und wo fährt man hin, um möglichst treffsicher im Norden zu landen. Das geht in Finnland, Norwegen, Schweden, Alaska, Grönland, Sibirien, Nordrussland, Kanada. In den Süden rückt man gleich einmal aus und warm ist es fast überall, oder wärmer, aber kälter. Die Kälte hier ist bezaubernd. Verzaubert die Landschaft in frostige Baumgestalten und dicke, brüchige, klirrende Glashalme.  Die Städte hier sind öde, die Menschen unnahbar.  Ich ging über die Grenze nach Schweden und kaufte mir Vanillekekse ohne Weizen. Das war ein Irrtum. Die Kekse habe ich mir im dritten Ort meiner Wahl in warmer Milch aufgeweicht. Die letzten zwei aus der Packung. Wer mich kennt, weiß, ich trinke Milch nur im Kaffee. Aber erstens ist es hier saukalt und ich habe nur Kaffee als Heißgetränk zur Wahl, aber es ist bereits Nacht und ich bin hellwach. Und zweitens habe ich gestern in einem Holzhüttendorf ( das Exilhausen sehr ähndelte… ) am See irgendwo im Norden Milch aus Milchtransportschwierigkeiten wegschütten müssen und landete heute prompt bei einem Milchbauern. Hätte ich das gewußt, hätte ich mir natürlich keine Milch gekauft. Diese jedenfalls kann ich nicht wegschütten, sie gehört getrunken und verspeißt. Womöglich ist das genau seine Milchkuhmilch in meiner Packung. Ich bin also bei einer Milchbauernfamilie im Norden, einer Farm und schlafe als einziger Gast im riesen Guesthaus. Hier bin ich, weil mich die Städte des Nordens mit ihrer Unschönheit nerven und ich eigentlich das Land spüren will, hier den Norden.  Also bin ich im Nirgendwo abseits des Weges ins Nirggendwo und überrascht von der Stille, der Dunkelheit und dem Licht. Das alles nur für wenige Stunden, die bald vorüber sein werden. Gestern schon in einer romantischen Einmannhütte mit eigener Sauna und Blick zum See. Und heute nun hier. Den Norden in wenigen Stunden begreifen. Ein Nordlicht erhaschen. Eine Sternschnuppe dazu. Das Nordlicht kann nur im Dunkeln leben. Ich vielleicht nur noch in der Zivilisation. Ohne Kontakt zur Außenwelt bekomme ich Panik, ich habe Angst vor Bären und Renntierüberrennungen, bei nur wenigen Schritten in Richtung  Wildnis. Ins Ungewisse, man weiß ja nie. Das Ungewisse, die Ruhe, das Reduzierte auf uns selbst. Angsthasen der Zivilisation. Mutprobe also allein loszufahren und irgendwo zu landen. Hätte ja auch ein Schweinebauer sein können, mit kilometerweitem Abstand zum finnischen See und Jagdtrieb. Ich gehe also mit weniger Flum im Magen nochmals in die dunkle Nacht und gucke mir das dünne Nordlicht an, das mir mehrere kurze Schauer und ein Wonnegefühl beschert hat, Was mich iritiert ist, daß ich das der Welt daheim mitteilen muss. Auf diesem oder jenen Weg. Furchtbar! F

Advertisements