Vermutlich macht es mir mein kurzer Sauerstoffmangel als Kleinkind schwer, Liebe so zu erfassen und zu begreifen, wie es andere tun. Die Angst davor steckt mir in den Knochen, sobald mir jemand zu Nahe kommt, laufe ich um die Ecke und eröffne mein Eisfach. Umso eigenartiger fühlt sich dann Glück an. Der einzig mir erlaubte sorgenfreie Umgang scheint der mit Kindern und Tieren zu sein. Oder lebenslange Freundschaft. Der Fluß schwabbelt mir ins Ohr: „Dein Leben beginnt an deinem Grab.“ Ich stehe am Dach und schaue in die Nacht und alles was ich sehe, ist ein spooky Clown, ein zu gr0ß gewachsenes Mädchen, das ihre Schlinkpflanzenarme im Wind flattern läßt und ein schlacksiger Mann, dessen Baumästchen an der Absperrung festgewachsen sind. Die drei bewegen sich sachte hin und her. Auf die Entfernung erkenne ich die Bewegungen fast nicht. Nur ihre kleine Bewegung läßt mich an ihre Existenz glauben. Es ist eine warme Nacht, aber der Wind ist kalt. Ich blicke über die Dächer in die Dunkelheit. „Ich hatte vor langer Zeit einen Traum“, sage ich, aber der Fluß schwabbelt: „Ich will deine Worte nicht.“ Ich rümpfe angewiedert die Nase und verdrehe meine Augen: „Du gehst mir auf den Keks! Mir ist es heute zu windig, ich hüpfe sicher nicht in dich hinein.“ Der Fluß beginnt beleidigt mit seinem stetigen Wegfluß. Ich schreie: „Warte!“ und stürze die Treppen hinunter. Unten reiße ich mir die Kleider vom Leib und mache einen schnellen Satz. „Deine Worte sind Gift“ höre ich den Fluß noch schwabbeln. Alles was ich erkennen kann, ist ein großes, färbiges Etwas das mir mitten ins Herz wächst. Good Night. F

Advertisements