Jetzt ist eine Woche vergangen. Es ist Zeit, daß wir uns auf die Reise begeben. Jesus sagt, halte mich nicht fest, ich bin noch nicht beim Vater. Eine Warnung an uns, an den Toten festzuhalten, nur weil sie uns fehlen. Ich habe es trotzdem gemacht, eine Woche lang und diese Nacht heute war die erste Unterbrechung. Heute konnte ich seit einer Woche nicht schlafen. Seit einer Woche schlafe ich wie ein großer Gebirgsfelsen, der stetig auf und ab gerollt wird, ohne Unterbrechnung, ohne Aufschrecken, ohne Träume, lange und tief, überlang. Aber heute Nacht, warst Du noch einmal da. Die Schwester war sehr aufgebracht und hysterisch. Die Schwester versteht langsam, daß du fehlst. Auch sie hatte eine Woche Zeit. Ich habe von Dir geträumt. In einem großen See, dunkel und zähflüssig, schwammen wir dahin, du warst ein Wal, der mir abhanden kam. Und ich habe es unterlassen, Dich zu suchen, oder zu beschützen, wie in den vielen angsterfüllten Träumen zuvor, stattdessen schwamm ich zum Ufer, ganz alleine. Heute also packe ich Dich ein. In viele Taschen und Koffern. Ich rolle Dich zum Bahnhof. Alle starren meinen großen, roten Koffer an. Ich überlege kurz, was wohl die anderen Menschen so transportieren. Ich löse das Ticket nach Exilhausen. Die Zugfahrt dauert ihre Zeit, ich sehe mir die Landschaft an und verliere wieder einige Tränen. Endlich sind wir da, von dem Ort, von dem ich Dir immer erzählt habe. Ich steige aus, der Koffer ist schwer. Ich höre die Musik von Wilco und kann mich so langsam Richtung Ort schieben, denn eigentlich will ich nicht. Eigentlich möchte ich Dich weiter hören und spüren, wie in all den Nächten voller Schlaf. Ich gelange in den Ort und er ist leer. Es liegt Schnee und die Bewohner haben sich versteckt, aber ich spüre sie, sie folgen mir leise und unaufmerksam und gehen mit mir diesen schweren Gang. Ich ziehe den Koffer, schiebe ihn, trage ihn, es dauert ewig. Ich komme endlich zu dem kleinen Loch, daß sie schon vorbereitet haben. Ich lege dich hinein. Mit kleinen Geheimnissen. Mit allem was wir erlebt haben. In eine Decke, obwohl ich bezweifle, daß das irgendwas abhalten könnte. Ich mache die Erde drüber und stecke eine Blume hinein. Ich bleibe noch einige Sekunden stehen, alle Bewohner neugierig und traurig um mich versammelt. Ich glaube, daß mir irgendeiner auf die Schulter klopft. Ich mache den Koffer zu und rolle ihn wieder hinter mir her. In der Ortsmitte bleibe ich noch einmal stehen, halte inne. Und jetzt beginnt ein neuer Abschnitt, sage ich laut. Die Bewohner applaudieren und ich gehe richtig Zugstation. M

Advertisements