Maphro Daphne lies sich die Stimme jenes Mannes, den sie gerade an der Leitung gehabt hatte, im Ohr zergehen. „So ein netter Mann.“ dachte sie und weiter: „Sollte ich mich vielleicht doch vorstellen gehen?“ Maphro glaubte an das Schicksal und auch an Schicksalsschläge oder Schicksalswinke. In den letzten 3 Monaten war soviel passiert. Heute war schließlich der Tag der Reinigung gekommen. Am Wochenende davor hatte sich alles von selber gelöst. Ihr geliebter Kater hatte sich in einem letzten Aufbäumen beim Tierarzt selber dem Tod überlassen. Seither suchte sie ihn insgeheim in der ganzen Wohnung, trauerte leise um ihn, wachte in der Nacht auf und versuchte sich an seinen warmen Körper zu erinnern. Sie machte sich Vorwürfe, ihn in den letzten Atemzügen noch in die weltliche Welt geschleppt zu haben und verfluchte es, in einer Welt mit Tierärzten zu leben. Sie hatte ihn mit nach Hause gebracht, aufgebahrt, Totenwache gehalten, die ganze Nacht, um ihn dann am nächsten Tag mit der Lokomotive zu seinem Grab zu bringen. Dort lag er nun, friedlich oder nicht, sicherlich erstarrt, jedenfalls neben ihrer, bereits vor längerer Zeit verstorbenen, anderen Katze und in der von ihm so geschätzten Freiheit der Natur. Nach dem Begräbnis war sie noch eine Runde herumspaziert und hatte die letzten Tränen geweint, damit er wußte, das war ihr und sein neues zu Hause. Wieder in ihrer Wohnung versuchte sie nun seine Schwester zu beruhigen und ein neues Zusammenleben zuzulassen. Soviel Zeit hatten die beiden noch nie zu zweit verbracht, die Räume waren noch größer und leerer als sonst. Noch etwas war in all dieser Zeit parallel passiert: sie hatte sich mehrmals verlassen gefühlt, das musste schließlich zu einem Ende führen, Kriegsräume hin oder her. Das Gefühl des Verlassenwerdens steckt ihr tief im Herzen, weswegen sie Tag für Tag dagegen ankämpft und lieber nur loose Beziehungen eingeht, außer die Beziehungen betreffen treue Wesen wie Katzen. Der Katertod war nur ein harmloser Schicksalswink gewesen. Denn der Kater war einer ihrer Beschützer. Heute war der Tag, an dem sie die Wohnung reinigte, alles wegputzte, die Trauer, die Bettwäsche, worin der Kater bis zu letzt lag und seine Futtertellerchen. Sie blickte in die weiße Außenwelt und dachte: der Bauch, wenn du besonders glücklich warst und dich auf deinen Rücken gerollt hast, die Nähe zu deiner Schwester, die du so sehr gebraucht hast, deine Nase, die ganz rot wurde, wenn dich etwas aufgeregt hat, was hast du dir für Bilder von uns mitgenommen. Ab heute könnte wieder alles passieren, alle Pläne sind weggetaut, die Wünsche schwimmen wieder an der Oberfläche meines kleinen Sees, der Fuhrmann fährt wieder träge meine Träume hin und her. Ab heute ist mein Herz wieder bereit, meine Wärme zurück und meine Ruhe bedächtig. Das alles und mehr bringt der Tod mit sich. F

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