Ich habe mir eine Briefadresse zugelegt. Ich habe mich umbenannt, in Airana Luft. Ich habe gewartet auf Post. Jahrzehnte. Das Postfach blieb leer. Ich saß davor und betete um etwas Schönes. Ein schönes Prospekt, eine schöne Karte, ein Urlaubsfoto, ein Wort. Das Postfach blieb leer, leer, leer. Ich begann selber zu schreiben, zuerst an mich. Aber der Betrug hielt nicht lange, Selbstbetrug hilft nicht über schwere Zeiten. Dieses Postfach war für besondere Post, für Notfälle, für schwere Zeiten. Ich pickte mir Namen aus dem Telefonbuch, wahllos. Ich ging in Internetcafes und schrieb mir die, in den Mäusen dieser Welt, gespeicherten Namen ab, ganze Emailadressen. Ich schickte mein Anliegen in die Welt hinaus, mein Anliegen auf tröstende Worte. Bis zum letzten Atemzug. Ich saß und wartete und betete. Genau eine Antwort kam zurück. Die Antwort war eine Frage: „Was machst du nach dem Aufstehen?“ Ich schrieb zurück: „Ich ziehe mir einen Pullover an und eine dickere Hose und dickere Socken, denn mir ist immer kalt.“ Das Ohr schrieb zurück: „Auch im Sommer?“ „Manchmal.“ Ich saß vor dem Postfach und wartete ungeduldig auf schöne Worte, auf schöne Fragen und ganze Sätze. Wir schrieben lange und viel hin und her. Irgendwann kam nichts mehr. Meine letzten Zeilen waren gewesen: „Lieber Glücksdrache. Ich bitte dich, du weißt was zu tun ist.“ M

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