Du stehst da oben und schreist. All diese Menschen drängen sich in dieser engen Gasse vor Dir und jubeln, bei jedem Schrei, den du ausstößt. Jubeln Dir Kraft zu. Doch der Jubel macht Dich nicht stark, Du bist verzweifelt und wir sehen das. Ich stehe in dieser Menge und schaue Dir zu. Du schreist die schwere Deines Lebens in diese enge Menschengasse. Du rufst nach einem besseren Leben für Dich und Deine Leute, für all diese Millionen, die so sind wie Du, ohne das je verschuldet zu haben. Du verstehst nicht, verstehst diese Welt nicht, diese Grenzen, zwischen Dir und mir und uns. Wir stehen da. Behütet, beschützt, reich, gelehrt, gewärmt, begabt, talentiert, scheiternd. Wir sind auf Deiner Seite, wir sind hinter Dir. Trotzdem ist zwischen uns etwas großes, das es zu überwinden gilt. Wir versuchen es zu ignorieren. Wir versuchen die Brücke zu schlagen. Weil uns eigentlich nichts trennt. Als wie Deine Geschichte und unsere. Du schreist und schreist und schreist. Die, die es hören sollten, hören Dir nicht zu. Die, die du berühren willst, sind weit weggerannt. Die, die Dich nicht schützen, schützen uns. Deine Schreie sind nicht umsonst. Weil Deine Verzweiflung mich packt. Und mir die Wut über mich und uns und die, die nicht da sind, in den Hals, in den Kopf, in die Augen steigt. Ich habe das alles weder verursacht noch abgesegnet. Trotzdem fühle ich mich verantwortlich. Für Dich. Weil jeder von uns eigentlich für alles und jeden Verantwortung trägt, bis in alle Ewigkeit. Viel zu viele haben das vergessen. Am Ende war ich da und ging untätig nach Hause. Wie Du. M

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