Mir frieren die Unterarme ab, mein Kleid ist zu knapp. Ich bin unbeweglich. Ich spüre, mein Herz bewegt sich, in kleinen Sprüngen. Ich starre die Abdrücke der großen Vögel an der Mauer gegenüber an. Sie sind heute Nacht enstanden, groß und grau. Die Krähen hüpfen davor, von Ast zu Ast, als hätten sie endlich einen passablen Schatten gefunden. Die Freundin ist hier, sie tut als sähe sie nichts. Das Zerrissene ist ihr egal. Versteinert steht sie da. Sie weiß die Antwort nicht, also schweigt sie. Das haben wir gemeinsam, bis zum Ende. Ich versuche einen Ruck nach rechts. Ich denke mir, für jeden, der mich benutzt hat, habe ich benutzt. Und für jeden Moment, in dem ich mich abgewendet habe, enstand eine Lücke. Die Lücken tun sich nun auf, wie große Felder, die brach liegen und niemals bestellt wurden, sondern verlassen waren seit Ewigkeiten. Verliere ich oder gewinne ich. Die Freundin weiß, daß sie nun gleich gehen wird. Der Abschied tut mir weh. Ich gewinne eine Träne, eine, die schon lange raus wollte. Sie ergießt sich von ganz weit hinten nach vorne. Sie ergießt sich über den ganzen Kückenboden, alles ist naß. Meine Füsse, mein Bauchnabel, mir steht das Wasser bis zum Hals. Die Freundin wird weggespült, während ich an meiner Träne ersaufe. Wir können uns gegenseitig nicht retten. Ich will ihr die Hand ausstrecken, sie will zu mir schwimmen, aber es ist zu spät. Ich weiß, in diesen letzten Momenten, ich hatte überdimensional viel Kraft und nun ist sie von mir gewichen. Ich weiß, ich habe versucht alle zu lieben und auf niemanden vergessen, nur auf die, die mich vergessen haben und das ist gerecht. Ich weiß, ich habe mich vergessen. Die Erinnerung an mich bist du. Ich sehe die grauen Schatten der Vögel, die längst im Süden sind und halte die Luft an. Fury.

Advertisements