Ich bin schon lange tot. Heute gedenkt ihr euren Verstorbenen, also hört meiner Geschichte zu. Denn Verstorbene gibt es nicht ohne Zukunft. Ich lebte damals in einer Stadt namens Amara, die Hauptstadt vom damligen Obersubien. Die Perfriter waren gerade gut im Geschäft und regierten, wie sie es nannten, in ihrer gemässigten Diktatur. Gerade ist von euch einer aus dem All gehüpft, hinauf befördert mit ganz viel Geld im Sack, ihr habt ihn „mutig“ genannt, ich sage Euch, dieser Junge hätte zu meiner Zeit kein mutiges Wörtchen hervor gebracht vor lauter Angst und würde das auch heute nicht können vor lauter Hosenschiß. Wir wurden damals in Heißhütten gelegt. Das war ein Witz, der auf unsere Lebenskosten ging. Und uns von unseren Liebsten trennte. Überlebende dieser Gräber schafften dieses Kunstwerk nur, weil sie sich in den Hohlräumen ihrer toten Mitstreiter vergruben. Oder ihrer Nachbarn. Alle hatten Angst. Es waren furchtbare Zeiten, jeder mißtraute jeden. Die wirklich Mutigen landeten nicht in den Heißhütten, sondern in den Bergen, wo sie langsam aber sicher gebrochen wurden. Nur die aller Mutigsten kämpften bis zum Tod. Ich lebte damals mit meiner kleinen Familie in einem Loch. Wir hatten nichts, so wie alle anderen. Wenige hatten mehr, aber das waren nicht die Unsrigen. Die gehörten nicht zu uns. Deshalb hassten wir sie. Wir hassten sie für ihre Freiheit, die mit ihrem Reichtum einherging. Sie beherrschten uns, bestimmten unser Leben, lehrten uns das Fürchten und hatten das in ihrer Hand, was wir für unser kleines Leben gerne gehabt hätten: unsere Zukunft. Gemässigt kam mir damals gar nichts vor, das war eigenlich ein Tarnwort. Sie versuchten uns so eins auszuwischen. Was sie uns nicht nehmen konnten, war ein bißchen Privates zwischen uns, das wir hüteten wie einen Schatz. Diesen Schatz gaben wir unseren Kindern weiter, in der Hoffnung, daß die Menschlichkeit nicht aus ihren kleinen Seelen schwand. Wir arbeiteten von früh bis spät und fielen dann müde ins Bett. Wir arbeiteten, um mit dem geringen Lohn, den sie uns gaben, überleben zu können. Wir mussten uns ihre miese Billigkleidung kaufen und den Industriefraß. Es gab sonst nichts mehr. Wir machten uns den ganzen Mist selber und bekamen nichts dafür. Als ich starb, waren meine Kinder groß genug. Sie umarmten mich und ließen mich gehen. Ich stecke noch immer unruhig irgendwo zwischen  hier und dort und dem  damaligen Amara. Und wundere mich. Viele Kinder haben viele kleine Kämpfe ausgetragen und es ist noch ein langer Kampf und selbst wenn der letzte Kampf ausgefochten ist und der Mensch endlich ruhen kann: wird das einzige was bleibt die Liebe sein. Das solltet ihr dem Allspringer ganz schnell beibringen. Fury de Almara.

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