Maphro Daphne zog einen Stuhl heran und setzte sich müde. Die Nacht war kurz gewesen. Zuerst war sie viel zu spät zum monatlichen Freundesquader gestossen. Sie musste ordentlich Zucker in den Glühwein mit unheimlich schlechten Wein geben, damit sie einigermaßen nachkam. Seit einiger Zeit schaffte sie es nicht mehr pünktlich. Oder war das immer schon so. Maphro Daphne war eine sehr beschäftigte Frau. Ihrer persönlichen Meinung nach beschäftigte sie sich selbstverschuldet an mindesten 17 Baustellen, die ihr allesamt zu wichtig waren, um sie aufzugeben. Dadurch kam ihr Privatleben zu kurz. Schaffte es ein Mann in ihren engen Zeitraum, dann nur, um kurz in ihrem Bett zu landen. Ihre engen Freunde wurden irgendwie zwischen die Termine gequetscht. In ihrem viel zu kleinen Röckchen saß sie nun da und schaute mich an. Ich denke mir, warum zum Geier, nicht eine Nummer größer? Maphro Daphne braucht das nicht zu hören, sie versucht gerade alles eine Nummer Größer zu schrauben. Dauert eben. Nicht nur die Rockgröße. Zur Zeit sitzt sie allein in einer riesen kalten Wohnung,  kalt: weil eben allein. Zuviel Platz ist manchmal auch nicht gut. Deswegen hat sie sich rote Teppiche gekauft und wäscht jeden Tag Wäsche, um die Wäscheständer in der Wohnung zu verteilen. Jetzt ist sie angekommen und schaut mich endlich an – Achtung fertig los! „Ich habe vor 2 Tagen ein für einen bestimmten Menschen reserviertes leeres Buch genommen und angefangen, es mit Dingen, die mich beschreiben, zu füllen. Mir fällt nur negatives ein. Ich bin nun bei Seite 10 und ich habe ganze 4 positive Dinge zu mir gefunden. „Und die wären?“ „Hüpsch, kumpelhaft, respektvoll, zurückhaltend.“ Jetzt denke ich nach. Was würde mir noch einfallen. Sie ist wankelmütig und unsicher. Sie ist absolut liebenswert aber läßt sich von niemanden lieben. Sie ist eine coole Alte und eine, die alles von einem will und auf jeden Fall hinter einen steht. Außer man baut Scheiße, dann läuft sie zwar nicht weg, aber man muß sich einiges anhören. Sie ist sehr eigennützig und am liebsten allein. Ich ertappe mich dabei, ein Buch versuchen zu füllen. Maphro Daphne ist einfach schwer zu beschreiben. Das sag ich ihr dann auch. Ich habe selten einen Menschen getroffen, der so seitenreich und schwer zu durchschauen ist und gleichzeitig so aufgelegt und direkt. Maphro Daphne findet das nicht berühigend. Wenn sie etwas mit Sicherheit ist, dann suchend. Und meine Vermutung ist, sie sucht sich bereits ihr Leben lang. „Wenigstens habe ich aufgehört, die Beste sein zu wollen.“ Das ist ja mal ein Wort, denke ich. Wir gehen gemeinsam in das nächste Kaffeehaus Glühwein trinken. Sie hat sich heute frei genommen. In ihr Bett werde ich es nicht mehr schaffen, da war ich schon und jetzt sind wir Freunde. Falls das ihr Ziel war, dann hat sie das erreicht. Fury.

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