Woran meine Liebe glauben wir noch. An den Zufall. An den Traum. An die Zukunft. An das Größerwerden. An die Sonne, die jeden Tag wiederkehrt. Meine Stinktiere haben heute auf das Fensterbrett gekotzt und ich glaube, langsam dämmert es ihnen. Alles beginnt zu tropfen, jeder Wasserhahn erfindet irgendein Leck. Alles bricht irgendwo runter plötzlich, zum Beispiel der Drehknopf vom Warmwasser. Oder ganze Türleisten. oder ganze Türen. Der Himmel ist seit Tagen dunkel, das Licht so grünlich, alle lieben sie mein Zuhause und wießt ihr was: sowas habe ich noch nie erlebt. Eine Ende, das ein Ende hat. Dabei hat doch nur die Wurst zwei! Ich glaube außerdem an die Zuversicht und an das Glück. An Freundschaft und Zwischenmenschlichezuneigung, die nicht vergeht. An kleine Ecken im Körper, wo der Schmerz sitzt. An Momente aus der Vergangenheit. An Wege, die nie beschritten wurden. An Gefühle, die Mitzi vorher nicht kannte. Zum Beispiel daß mir mindestens eine handvoll Leute fehlen. An die Zeit, die wir haben, an das Schicksal. Ich bin froh, ich habe heute meinen Nachbarn noch einmal gesehen und war noch einmal in seiner Wohnung, in der soviel passiert ist. Ich habe außerdem meinen Gehirnzellenfriedhof entdeckt. Irgendwo im hintersten Winkel meines Glaubens. Da liegt so einiges begraben. Ohne Priesterbeistand, ohne Grab, ohne Urne, eigentlich scheintod oder zumindest halbtod. Ich begebe mich manchmal dorthin, es ist unheimlich, weil alles ächzt und stöhnt. Nach neuesten Studien scheint die Sonne dort erst wieder 2467 und bis dahin muß ich einfach rumtapsten im Dunkel. Das ist ekelig und macht mir Angst. Ich habe große Furcht vor-m Fallen, in eines der leeren Gehirnzellengräber. Es gibt keine Seelen dort. Nur lungernde Gehirnzellen. Die warten, daß ich sie wieder aufpepe. Das müsste gehen, sagen die Forscher. Oder eben bis 2467 warten. Ich muß mir das noch überlegen. Das ist irgendwie ein umgekehrtes Exilhausen. Verdammt! Warum bin ich auch so neugierig! Vorgestern im Traum „Angie“ gehört und dann eine Party geschmissen. Für dich du Garten. Hab ziemlich oft in den Himmel geguckt, weil wer weiß. Diesen Himmelsauschnitt sehe ich wohl nicht mehr so oft. Miss Fürö.

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