Ich gehe in mein Schlafzimmer, versuche über meine Kleiderhaufen zu klettern, um meine Erinnerungslade wieder einmal aufzumachen. Ich möchte etwas finden. Aber die Lade ist ist so überschwer angefüllt, sie ist einfach nicht mehr aufmachbar. Nicht mit Mitzikraft, vielleicht erst wenn ich diese alten, über Jahre angesammelten Erinnerungen vergessen habe. Ich habe noch an anderen Orten der Wohnung Erinnerungslager, die lasten nicht so schwer, die sind auch von neuerer Mitzigeschichte. Aber die habe ich vor kurzem geplündert, ist nicht mehr viel übrig davon. So macht das eine Fury, wenn sie an das alte Zeug nicht mehr ran kann! Ich bin süchtig nach Erinnerungen! Loslassen – ganz schlecht! Die Kleiderberge haben mittlerweile kleine Gipfelkreuze, außerdem beginnen Ameisen ihr Straßennetz vom Garten durch die Wand zu dem Stinktieressen zu bauen. Die müssen ordentliche Lebensmittelknappheit da unten haben. Langsam denke ich, das Haus und sein Inhalt beginnen mich zu überschwemmen und am Ende bin ich eingekeilt zwischen den einstürzenden Wänden und Taubennestern über mir. Ich mache mich noch auf die Suche nach versteckten möglichen Plätzen. Manchmal schrecke ich in der Nacht hoch und habe Angst, daß mir meine besten Erinnerungen gestohlen wurden. Heute habe ich erlebt, daß Erinnerungen niemals verschwinden, irgendein Fuzi bleibt bestimmt, beharrlich, ich hoffe für mich, am Ende ist das letzte Fuzi eine gute Erinnerung. Die Erinnerung für diesen Moment: ein endlich wieder lachender Freund – kaum zu stoppen Mann, wie schön war das! Ein trauriger Nachbar. Ein radfahrender Nachbar, der mich überholt und über mein langsames Rad lacht, selber schuld, ich habe es ihm gesteckt. Aber immerhin hat es mich bis nach weit außerhalb von Wien egbracht und zurück! Tränenende Erinnerungsbruchstücke und lachende Freudenmomente in den Gesichtern von besonderen Menschen. Eine Straße, in der ich bis vor kurzem oft war, heute aber instinktiv nicht zu lange bleiben wollte. Ein viel zu heißer Kaffee. Kleiderberge. Müdigkeit. Letzte Energiereste. Zuviel Rückenkraft und Seitenwind. Mit Erinnerungen schlafe ich ein und mit Erinnerungen wache ich auf. Von Erinnerungen träume ich. Meine Erinnerungen seit ihr, eure Erinnerung bin ich. Und nun erinnere ich mich ganz zwanghaft endlich schlafen zu gehen. Fury.

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